Photokina

seitz.jpg

In einer halben Stunde ist es so weit: die Photokina 2006 öffnet ihre Tore. Alle wichtigen Produkte sind in den letzten Tagen schon vorgestellt worden, grosse Überraschungen sind daher nicht mehr zu erwarten. Die von vielen erwartete Canon EOS 1Ds MKIII ist ebenso wie eine neue Version der 5D nicht angekündigt worden – der Marktführer in Digitalkamera-Bereich hebt sich die neusten Modelle anscheinend für 2007 auf, dem Jahr ihres 70jähriges Jubiläum. Lediglich die 400D, als Nachfolger der 350D, hat Canon vorgestellt, damit sind nun alle wichtigen Hersteller an der 10MP-Grenze angelangt.
Abseits vom Üblichen sind allerdings interessante Produkte vorgestellt worden. Aufsehen erregte dabei die Firma Schweizer Firma Seitz mit ihrer Seitz 6×17 Scan-Kamera. Sicher nichts für alltägliche Fotoaufträge, aber in Spezialfällen, in denen man mit Scankameras arbeiten kann, brilliert diese Kamera mit sage und schreibe 160MP Auflösung. Das dürfte auch für grossformatige Drucke ausreichend sein 😉

Kollision

stl_top_med.jpg

So stelle ich es mir vor, wenn ein Zeppelin mit einer Hasselblad kollidiert. Ausser Frage steht wohl, dass dieses Objektiv mit den beeindruckenden Daten 1700mm Brennweite sowie einer Anfangsöffnung von f4 (sic!) nur für finanziell gut gestellte Haushalte zu erwerben sein dürfte. Des weiteren sollten Sie, falls Sie sich zum Kauf entschliessen, stets gut frühstücken oder sich eines sehr kräftigen Assistenten gewiss sein – mit einem Gewicht von 256 Kilo handelt es sich bei diesem Objektiv nicht gerade um ein Leichtgewicht.

Louis Stettner

Wer in Berlin weilt oder sich auf den Weg in die Metropole machen möchte, dem sei ein Blick in die Galerie Camera Work empfohlen. Bis zum 16.09.06 läuft dort eine Ausstellung mit Werken des US-Fotografen Louis Stettner. Aufgewachsen in New York, früh beeinflusst durch Alfred Stieglitz und Paul Strand, zog es ihn nach dem Krieg, den er als Kriegsfotograf erlebte, nach Paris. Dort entstanden viele seiner eindrücklichsten und dichtesten Bilder, häufig alltägliche Situationen auf den Strassen der fränzösischen Hauptstadt. Nach New York zurückgekehrt arbeitete er unter anderem für die Magazine Time und Life. Er lebt seit 1990 in Paris. Weitere Informationen zur Auststellung und Person Stettners lassen sich hier finden.

Zurück in die Zukunft

060628-3.jpg

Nur wenige Erfindungen haben einen so bemerkenswerten Siegeszug angetreten wie die des Oskar Barnack. Die gesamte Fotografiegeschichte hat sich mit der Verwendung von Kleinbildfilm verändert – Fotoreportage wurde erst mit den kleinen, transportablen Kameras möglich. Zwar haben auch in vorhergehenden Jahrzehnten Fotografen in diesem Segment gearbeitet (man denke O’Sullivan zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges), richtig schnell war diese Arbeitsweise mit Grossbildkameras allerdings nicht. Erst der Siegeszug der Leica ermöglichte einen neuen fotografischen Blick auf die Ereignisse der Welt. Klein, schnell, leicht, unauffällig, zuverlässig … das zeitgemässe Werkzeug für Fotoreporter. Seit dem ist wohl jeder Konflikt dieser Welt mit dieser Kamera aufgenommen worden. AK 47, M16, M3, M4, M5, M6 …. selbst die Akronyme klingen ähnlich. Aber auch für andere Arten der Reportage schien es unerlässlich, sich der Leica zu bedienen. Henri Cartier-Bresson und Garry Winogrand sein hier nur synonym erwähnt.
Doch die Zeiten haben sich geändert : der digitale Umschwung ist – zumindest abseits von künstlerischen Aspekten – nicht mehr aufzuhalten. Und hier kommen wir zum aktuellen Teil des Blogs, die Photokina steht vor der Tür, und die lang herbeigesehnte M8 soll von der Traditionsfirma Leica vorgestellt werden. Angekündigt ist sie ja schon lange, die Details sickern auch so langsam durch: Gehäusegrösse der M7, Faktor 1.33 Brennweitenverlängerung, 10,5 MP-Chip von Kodak (wobei auch schon andere Chiphersteller genannt wurden). Bei der Brennweitenverlängerung wird so manch „altgedienter“ M-User tief durchatmen müssen, laut Leica sind so aber die besten Bildergebnisse zu erwarten. Nun denn, so lange man vernünftige (und bezahlbare) Objektive entwickelt, die diesen Verlust wieder wett machen, kann man damit leben. Ein eventuelles Tri-Elmarit 16-18-21mm weist in diese Richtung. Von dem Chip erhoffen sich viele, dass, wie in dem DMR Rückteil, mit 16 Bit quantisiert wird. Für Profis mit Sicherheit ein Pluspunkt. Wir dürfen gespannt sein … Keine Überraschung wird vermutlich die Preisgestaltung sein. Wer sich mit Leica befasst, sollte auf exorbitante Preise eingestellt sein, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich das bei der Leica M8 ändern wird. Wer sparen will, kauft sich ein gebrauchte M6 und eine digitale Kompakte. Das man mit diesen Kompakten durchaus auch in Krisengebieten fotografieren kann, bewiesen mehrere Reporter während des Irak-Krieges. Und die spektakulärsten Fotos wurden von Amateuren gemacht, mit Fotohandys und digitalen Billigstkameras. Die Zeiten ändern sich – fraglich, ob Leica diesen Wechsel auch überstehen wird, oder weiterhin nur für die Vitrinen von einigen gutbetuchten Sammlern produziert.