Nachlese I

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Auf den ersten Blick sicherlich eines der Highlights der Photokina: die neue Hasselblad H3D. Auf den zweiten auch, sie liegt gut in der Hand, fühlt sich nicht so Plastikmäßig an, wie sie aussieht und ist trotz ihres Gewichts auch ohne Stativ gut zu benutzen. Die ersten Bildergebnisse sind, zumindest was die schiere Auflösung betrifft, beim Rückteil mit 39MP über jeden Zweifel erhaben. Alles weitere, Farbtreue, Moiree etc. kann natürlich nicht auf die Schnelle und im Messetrubel bewertet werden, ich bin mir aber sicher, dass Imacon dort auch gute Arbeit verrichtet hat.
Die Begehrlichkeiten potenzieller Kunden sind sicherlich gross, und dennoch, einen Pferdefuss gibt es, und der ist wirklich nicht ohne. Hasselblad bricht mit einer Tradition, die dieses Kamerasystem seit den 50er Jahren so beliebt und damit auch bekannt gemacht hat. Es war eben nicht nur die Verarbeitungs- und Bildqualität, sondern auch die Offenheit des Systems. Nicht wenige Profis arbeiten heutzutage mit H1 oder H2 Kameras von Hasselblad und haben Leaf oder PhaseOne Rückteile an diesen Kameras. Und diese Klientel muss nun erstaunt zur Kentniss nehmen, dass die neue H3 nur noch Hasselblad(Imacon) Rückteile zulässt. Schlimmer noch – auch das neue 28mm Ultraweitwinkel passt nur noch auf H3 und zukünftige Kameras. Laut Hasselblad-CEO Poulsen gilt dies auch für kommende Objektive. H1 und H2-Besitzer bleiben aussen vor. Der Marktanteil an MF-Digital-Kameras ist klein und fragil, bedroht von Canon und (mit Abstrichen) Nikon auf der KB-Seite und den Grossformaten auf der anderen Seite. Wer in dieses Format nicht unerhebliche Summen investiert, der möchte seine Investition auch zukunfssicher wissen, zumindest in einem überschaubaren Bereich. Und dazu gehört im Mittelformat auch die Freiheit der Wahl was Sensoren angeht. Erwartungsgemäß gross ist die Empörung bei den Kunden, wie man bei Michael Reichmann und vielen anderen nachlesen kann. Ob sich Hasselblad mit diesem Schritt einen Gefallen getan hat oder nicht, das wird sich in Zukunft entscheiden, noch ist Hasslblad Marktführer im MF-Sektor, doch die Allianzen wechseln hier schnell. Contax ist leider (meiner Meinung nach viel zu früh) aus dem Rennen ausgeschieden, ebenso Bronica. Das Pentax-System ist nicht für austauschbare Rückteile ausgelegt. Aber Mamiya könnte in die Lücke stossen. Und, ein guter, alter und traditionsreicher Name taucht plötzlich in vielen Gesprächen wieder auf : Rollei. Und Sinar selbst wurde von einem nicht minder traditionsreichen Namen aufgekauft: Leica. Letztere allerdings kämpft selber ums Überleben und hat keine Erfahrungen im Mittelformat. Doch davon soll im nächsten blog die Rede sein …

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